Der Schopftintling – Pilz des Jahres 2024

Der Schopftintling – Pilz des Jahres 2024

von Tanja Major

Der wohlschmeckende Schopftintling (Coprinus comatus) hat den Namen Spargelpilz zurecht verdient. Die Form der Stiele erinnert an Spargel, der Hut des jungen Pilzes ist eiförmig. Solange er noch weiß ist, die Lamellen rosa sind und noch nicht schwarz zerfließen, eignet er sich als vorzüglicher Speisepilz. Er kann sogar samt Stielen gegessen werden!

Beim Sammeln sollte man aber beachten, dass der Pilz gerne auf nährstoffreichen Böden wächst und auch Schwermetalle wie Cadmium und Quecksilber in seinen Fruchtkörpern anreichern kann. Deshalb nur von unbelasteten Standorten verwenden!

Der Schopftintling ist hochinteressant für Diabetiker, denn er hat eine blutzuckersenkende Wirkung. Diese beruht auf einer natürlichen Schutzwirkung auf die Langerhans-Inseln. Das sind die Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die das Insulin produzieren. Insulin reguliert den Zuckerstoffwechsel im Körper. Diabetiker profitieren von der Normalisierung des Blutzuckerspiegels sowie vom Rückgang der Durchblutungsstörungen und vom Abbau der Ablagerungen in den Arterien.

                               gesammelte Schopftintlinge         

                                                (c) Tanja Major

 

Ein Pilz zum Schreiben und Stempeln

Die meisten Tintlinge zerfließen, wie ihr Name schon besagt, mit dem Heranreifen der Sporen zu einer lichtechten Tinte. Die Pilz-Tinte vom Schopftintling eignet sich zur Kalligrafie. Sie wird schon seit Jahrhunderten als Schreib- und Zeichentinte verwendet. Es ist ganz einfach, aus dem Hut des Schopftintlings Tinte herzustellen: Das meiste macht der Pilz von selbst!

                               Schopftintling-Tinte

                                                (c) Tanja Major

Zur Herstellung der Tinte eignen sich auch ältere Schopftintling-Exemplare:

Geben Sie den Pilz in ein Schraubglas und warten Sie, bis er zu Tinte zerfließt. Störende Rückstände können einfach mit einem Sieb herausgefiltert werden. Nun können Sie schon schreiben, zeichnen oder malen – dazu müssen Sie nur eine Feder oder einen Pinsel in die Tinte tauchen! Die Tinte hat einen schönen sepiaschwarzen Ton und ist licht- und dokumentenecht. Falls Sie eine Vogelfeder verwenden möchten, spitzen Sie die Unterseite von einem Federkiel am besten mit einem scharfen Messer schräg nach vorne an.

Zum Stempeln habe ich die Tinte etwas eingekocht und abkühlen lassen, dann mit Gummiarabikum (aus dem Künstlerbedarf) gebunden, sodass sie dickflüssiger wird. Alternativ können Sie auch frisches Baumharz eines Obstbaums zum Binden verwenden. Nun einfach den Druckstempel in die Farbe tauchen und los geht‘s!

                               Stempeln mit Schopftintling-Tinte

                                                (c) Tanja Major 

Mit ein paar Tropfen Nelkenöl wird die Tinte haltbarer, außerdem lagere ich sie im Kühlschrank. Vor der Verwendung die Tinte gut schütteln, da sich die pigmentierten Sporen unten absetzen.

 

Gesund und lecker

Nicht nur Kreative, sondern auch Feinschmecker kommen mit dem Schopftintling auf ihre Kosten: 

                                Schopftintling-Gratin

                               Schopftintling-Gratin

                                                (c) Tanja Major

 

Zutaten für 2 Personen

400g ganz junge Schopftintlinge
50g Butter
½ TL gehackter Kümmel
Meersalz 
frisch gemahlener Pfeffer
200g Sahne
50g frisch geriebener Bergkäse

 

Den Backofen auf 250 °C Umluft vorheizen.

Die Schopftintlinge mit einem Pinsel putzen und eventuell halbieren.

Eine Auflaufform mit 20g flüssiger Butter ausstreichen, die Tintlinge hineingeben und mit gehacktem Kümmel, Salz und Pfeffer bestreuen. Die Sahne darauf geben. Die restliche Butter in Flöckchen sowie den geriebenen Käse darauf verteilen.

Die Form bei mittlerer Schiene in den Backofen schieben und das Gratin in ca. 20 Minuten goldbraun backen.

Noch mehr inspirierende Rezepte mit Köstlichkeiten aus der Natur finden Sie in Tanja Majors Buch Schätze aus Wald und Wiese.

 

Der Pilz des Jahres 2024

In manchen Jahren wächst der Schopftintling schon im April. Mit all seinen Fähigkeiten und seiner Wandelbarkeit hat der Schopftintling den Titel Pilz des Jahres 2024 wahrlich verdient!

                               Schopftintling

                                                (c) Tanja Major

 

Weitere Informationen zum Pilz des Jahres finden Sie hier: www.pilz-des-jahres.de

 

Titelbild: (c) Tanja Major