Jagd und Naturschutz

Jagd und Naturschutz – ein Widerspruch?

Naturschutz kurz definiert

Der Begriff Naturschutz bezeichnet die Gesamtheit von Maßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung gesunder und artenreicher Wildbestände sowie der Lebensgemeinschaften und Lebensräume von wild lebenden Tier- und wild wachsenden Pflanzenarten (Biozönose). Wie in § 1 Absatz 1 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) nachzulesen ist, bilden dabei die nachhaltige Sicherung der biologischen Vielfalt, der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts einschließlich Regenerations- und nachhaltiger Nutzungsfähigkeit der Naturgüter sowie der Vielfalt, Eigenart, Schönheit und des Erholungswerts von Natur und Landschaft die wesentlichen Kerninhalte.

Jagd ist gelebter Natur- und Artenschutz

Zentrales Herzstück einer naturschutzkonformen Jagd ist die Einhaltung des Prinzips der Nachhaltigkeit. Dies inkludiert auch die Verantwortung für die gesamte frei lebende Tier- und wild wachsende Pflanzenwelt, denn ohne eine intakte, artenreiche Natur wäre Jagd gar nicht ausführbar. Jäger haben den Schutz und Erhalt der Natur und der wild lebenden Tierarten zur Priorität für ihr Handeln gemacht, denn sie leben täglich aus Überzeugung den im Bundesjagdgesetz definierten Hegeauftrag. Die Jagd trägt zum Biotop- und Artenschutz bei und ist damit aktiv angewandter Naturschutz.

Da das Ausüben des Jagdrechts in Deutschland an das Eigentum von Grund und Boden gekoppelt ist, sind Jäger, die ihr Jagdrevier häufig über viele Jahre gepachtet haben und mit den Grundeigentümern, meist Land- und Forstwirte, in engem Kontakt stehen, in der Lage, Naturschutzmaßnahmen wirkungsvoll in die Fläche zu bringen. Die in Deutschland vorherrschenden Kulturlandschaften profitieren dabei in nicht zu unterschätzendem Maße von den meist langjährig angelegten, pragmatischen und sinnvollen Naturschutzaktionen der Jägerschaft.

 

Der Deutsche Jagdverband (DJV), der als Dachverband mit den ihm angehörenden einzelnen Landesjagdverbänden in allen Regionen Deutschlands (ausgenommen Bayern) bis auf Ortsebene wirkt, ist gemäß § 63 BNatSchG staatlich anerkannte Naturschutzvereinigung, und auch auf internationaler Ebene hat die Jagd eine prinzipielle gesellschaftliche Rechtfertigung als naturschutzunterstützendes Handwerk erhalten: Die IUCN, die Internationale Vereinigung für die Erhaltung der Natur und der natürlichen Ressourcen, hat im Oktober 2000 während des zweiten Weltnaturschutzkongresses, der in Amman/Jordanien stattfand, in einer Grundsatzerklärung definiert: „Die Nutzung wild lebender Ressourcen stellt, soweit sie nachhaltig erfolgt, ein wichtiges Instrument zur Erhaltung der Natur dar, da die durch eine solche Nutzung erzielten sozialen und wirtschaftlichen Vorteile dem Menschen Anreize geben, diese zu erhalten.“

Mit der in den meisten Bundesländern beim Lösen des Jagdscheins von Jägern zu entrichtenden Jagdabgabe werden wildbiologische Forschung und Naturschutzprojekte mit finanziert. So konstatiert der DJV, dass kein anderer Naturschutzverband flächendeckend vergleichbare Mittel aus eigenem Aufkommen für Maßnahmen der Lebensraumverbesserung für wild lebende Arten investiere wie die Jägerschaft.

Was tun Jäger konkret für den Naturschutz?

Die Schwerpunkte liegen im praktisch angewandten Naturschutz, wie etwa dem Biotopschutz, der Biotopvernetzung und in gezielten Maßnahmen für gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Die Spanne der von Jägern initiierten und durchgeführten Aktionen ist dabei sehr groß. Sie reicht von

  • Neupflanzungen und Pflege von Hecken, Streuobstwiesen, Wildäckern und Blühstreifen, die mit ihren unzähligen Kräutern und Blütenpflanzen Nahrungsressourcen nicht nur für das jagdbare Wild, sondern vor allem auch für Insekten und Feldvögel und mit ihren Gebüschen und Dickungen Lebensräume und Deckungsmöglichkeiten für Feldhasen & Co. bieten,
  • über die Anlage und Betreuung von Laichgewässern am Waldrand, Lerchenfenstern in landwirtschaftlichen Nutzflächen, das Anbringen und die Pflege von Vogelnist- und Fledermauskästen sowie die Schaffung von Ruhezonen für Wildtiere
  • bis hin zur Erstellung und Umsetzung großflächiger und langfristiger Artenschutzprogramme, beispielsweise für Rebhühner, Auer-, Birk-, Haselwild und Großtrappe sowie für Seehund und Fischotter.

Auch in wissenschaftlicher Hinsicht unterstützt die Jägerschaft den Naturschutz: Neben regelmäßigen Bestandserhebungen der Artenvielfalt beispielsweise in Form von Frühjahrs- und Herbstzählungen (Stichwort: Wildtiermonitoring) werden auch Biotopstrukturen und Umweltfaktoren zu verschiedenen Jahreszeiten erfasst, woraus wichtige wissenschaftliche Daten gewonnen werden können. Jäger nehmen die Ausbreitung gebietsfremder invasiver Tierarten (Neozoen), wie Waschbär und Marderhund besonders in den Fokus. Sogenannte Verlierer der Kulturlandschaft, wie etwa das Rebhuhn, aber auch diverse Singvögel und Reptilien, können durch eine gezielte Prädatorenbejagung eine höhere Bestandsdichte erreichen. Dies dient dem aktiven Artenschutz, denn neben der modernen intensiven Landnutzung sind Prädatoren ein Schlüsselfaktor für den Artenverlust.

Nachhaltig organisierte Jagd kann einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität leisten – indem sie die Natur in der modernen Kulturlandschaft nicht ausbeutet, sondern rücksichtsvoll nutzt und abwechslungsreiche Lebensbedingungen für eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt schafft und erhält.